BRIAN HOUSTON: DIE EIGENEN GRENZEN AKZEPTIEREN LERNEN

bhoustonBrian Houston hat ein bemerkenswertes Buch über sein Leben und den Weg der HILLSONG CHURCH geschrieben von dem Bill Hybels sagt, dass es eines der offensten und ehrlichsten Bücher für Leiter ist, das er je gelesen hat. Und in der Tat: Es ist wirklich sehr bemerkenswert und ein „heißer Tipp“ für Verantwortliche. Brian Houston beschreibt die geniale Geschichte von Hillsong. Das macht viel Mut. Er schreibt aber auch über den Missbrauch seines Vaters, den Druck der Medien und den Rücktritt als Präsident der Freikirche. Und über seine 12 Jahre der Depression,  den Druck und die Grenzen, mit denen er leben muss. Dazu ein Auszug  aus „Leben. Lieben. Leiten.“, der mit freundlicher Genehmigung des Verlages auf dem Leiterblog erscheint. Am Montag bringen wir dann ein exklusives Interview zum Buch mit Freimut u. Joanna Haverkamp, die leitenden Pastoren der deutschen Hillsong Church. Hier nun Brian über Grenzen:

817091_Houston_Leben_lieben_leiten_2.inddSchweres loslassen lernen …

Mich hat es einiges gekostet, zu lernen, wie ich Schweres, das mich niederdrückt, loslassen kann. So tat ich, was ich nur konnte, um die Angelegenheit mit meinem Vater zu verarbeiten. Ich verließ mich dabei auf die Kraft von Gottes Geist, der mir Mut, Stärke und Durchhaltevermögen gab. Aber der andauernde Schmerz forderte seinen Tribut. Als 2004 dann mein Vater starb, trauerte ich um den Vater, den ich als Kind gekannt hatte: den liebenden Mann, der mein Held und Vorbild gewesen war; den brillanten Prediger und Evangelisten, den Mann, der die Massen um sich scharte und sie in einem Moment vor Lachen brüllen und im nächsten schluchzen ließ, wenn er unfassbare Zeugnisse des Glaubens erzählte. Ich kämpfte damit, dieses Bild mit dem Bild von Mann zusammenzubringen, der mir fremd war, der seine dunklen Seiten verbarg und Dinge tat, die ich mir nie hätte vorstellen können. Das hielt den Schmerz in meinem Herzen lebendig.

Alles zu viel …

Schließlich kam ich an den Punkt, an dem all der Druck, die Anspannung und der innere Kampf zu viel für mich wurden. Nach dem Gespräch mit George in meinem Büro geriet ich für zwölf Jahre in einen Strudel der Depression, der mich immer weiter abwärts sog. Die Ereignisse hatten mich traumatisiert. Während ich mich um jeden anderen Menschen kümmerte – außer mich selbst –, verblasste ich innerlich. Von außen gesehen, war mein Leben reicher denn je. Hillsong Church wuchs, auch weltweit, und unsere Musik bekam einen immer größeren Bekanntheitsgrad, die Einschaltquoten für unsere Fernsehsendungen gingen durch die Decke und Gott schenkte Bobbie und mir zunehmenden Einfluss, sein Reich zu bauen. Doch in meinem Herzen war ich einfach zerbrochen.

Mehr Wachstum, mehr Prüfungen!

Mit dem Wachstum einerseits nahmen auch die Prüfungen andererseits zu. Und zwar in einer Art, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Ich fühlte mich oft wie abgeschnitten von meinem Leben, von der Leidenschaft und Bestimmung, die mich bis dato hat jeden Morgen freudig und in Erwartung aufstehen lassen. Jetzt aber fühlte ich mich nur noch so, als ob ich einfach nur noch funktionieren müsste. Oft verlor ich mich in Gedanken und wusste nicht, wie ich meine Freude und meinen Frieden wiederfinden sollte.

In dieser Zeit reiste ich unglaublich viel. Ich predigte und diente im Ausland und baute unsere Hillsong Churches weltweit auf. Die häufigen Zeitumstellungen und das Schlafen im Flugzeug führten dazu, dass ich immer häufiger Schlaftabletten nahm, um wenigstens ein paar Stunden Ruhe zu finden oder den Jetlag loszuwerden. Es dauerte nicht lange, bis die Tabletten nicht mehr wirkten und ich die Dosis erhöhte. Und irgendwann konnte ich ohne Schlaftabletten überhaupt nicht mehr schlafen.

Eines Tages zerbrach etwas in mir …

Meine Familie bekam das mit und begann mich zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Ich bejahte es immer und versuchte, so lange wie möglich durchzuhalten. Ich predigte, reiste um die Welt und leitete die Kirche, während Hillsong weiter wuchs und Gott weiter unglaubliche Dinge tat. Aber die Ruhelosigkeit forderte ihren Tribut: Ich wurde zerstreuter und predigte nicht mehr mit derselben Überzeugungskraft wie früher. Trotz meiner persönlichen Herausforderungen war Gott gnädig. Menschen in unserer Kirche erlebten weiterhin Segen und fanden Freiheit in Jesus Christus; aber die, die mir nahestanden, wussten, dass es meiner Seele überhaupt nicht gut ging.

Eines Tages zerbrach etwas in mir. Es war, als ob meine emotionale Stärke plötzlich komplett aufgebraucht wäre. Mein Schiff sank, niedergedrückt vom übermäßigen Ballast all der Probleme in meinem Leben – und ich fühlte mich wie zerschellt an einem großen Riff aus scharfkantigem Schmerz, Angst und Sorge.

Bobbie und ich waren zu diesem Zeitpunkt zu Besuch bei einer unserer Campus-Gemeinden am Strand von Noosa im wunderschönen Queensland. Hinter uns lagen zwei anstrengende Wochen, in denen wir quer durchs Land gereist waren, um an damals noch vergleichsweise kleinen Hillsong Konferenzen teilzunehmen. Ich sollte an diesem Sonntagabend predigen und war eigentlich gut vorbereitet, doch ich fühlte mich irgendwie körperlich schwach. Meine Knie zitterten, als ich auf die Bühne ging. Und dort brachte ich dann die Worte durcheinander. Es kam mir wie Geschwafel vor.

Angst und Panik

Als wir spät abends in unser Zimmer kamen, dachte ich über all die Belastungen in meinem Leben nach und geriet in Angst und Panik. Plötzlich bekam ich keine Luft mehr. Ich konnte nicht mal mehr normal atmen, mein Herz hämmerte immer schneller in meinem Brustkorb. Ich begann zu schwitzen und mein Mund wurde trocken. Tausend Gedanken schossen mir auf einmal durch den Kopf, aber ich konnte keinen davon aussprechen. Ich meinte, ersticken zu müssen, und schrie Bobbie an, dass ich vielleicht sterben werde.

Bobbie wusste sofort, dass ich eine Panikattacke hatte. Glücklicherweise erreichte sie noch um diese späte Uhrzeit, es war nach Mitternacht, ein Mitglied unserer Gemeinde – einen Arzt unseres Vertrauens, der mich am Telefon beruhigen konnte und mich direkt untersuchte, als wir nach Sydney zurückkehrten. Schließlich wurde eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert und die Ärzte sprachen davon, dass ich eventuell mein ganzes Leben lang unter Panikattacken leiden würde. Doch in meinem Herzen beschloss ich, dass das nicht geschehen sollte.

Die Diagnose ergab aus logischer wie medizinischer Sicht einen Sinn. Einerseits war ich erleichtert, denn nun gab es einen Namen für das, was ich hatte durchmachen müssen. Andererseits war ich erschüttert. Sprachen die Ärzte da wirklich über mich? Ich war bislang doch immer stark genug gewesen, um mit allem fertigzuwerden. Niemals war ich einer von „den Typen“ gewesen, die gleich unter etwas Druck zusammenbrechen. Für mich lief immer alles gut, ich war ein Visionär und hatte bereits einige Erfolge zu verzeichnen. Ich wollte doch jetzt, da sich vieles so gut entwickelt hatte, die starke Schulter sein, an der andere sich anlehnen konnten. Ich wollte einfach nicht glauben, dass es nun so um mich stand. Dennoch musste ich damit zurechtkommen, dass ich nicht unbesiegbar bin. Auch wenn Gott allmächtig ist – ich bin es nicht. Mein Körper, meine Seele und mein Geist sind begrenzt.

Neue Prioritäten, eine liebevolle Familie und professionelle Hilfe

Nach der Panikattacke nahm ich mir sofort ein paar Tage frei, um über meine Prioritäten nachzudenken. Ich änderte die Art, wie ich lebte und leitete. Und ich traf einige wichtige Entscheidungen darüber, wie ich in Zukunft mein geistliches Amt und das Reisen unter einen Hut bringen konnte, ich hörte auf Schlaftabletten zu nehmen, die mein Verhalten veränderten und meine Gefühle negativ beeinflussten, und ich überließ Gott die Kontrolle über die Lasten, die mich niederdrückten. In dieser Zeit wusste ich, dass viele Menschen für mich beteten – ich war immer gesegnet mit einer unglaublich liebevollen und unterstützenden Familie. Durch Gottes Gnade erholte ich mich schnell. Ich hatte nie mehr eine Panikattacke und rechne auch in Zukunft nicht damit. Dieses Schlagloch auf der Straße des Lebens kam unerwartet, aber mithilfe meiner Familie, guter professioneller Hilfe und dem Frieden Gottes ließ ich mein Schiff nicht auflaufen.

Stärker als Kummer und Schmerz

Wie schmerzhaft deine Situation auch sein mag, wie schwierig dir dein Lebensweg auch erscheinen mag, er wird dich nicht zerstören. Ich glaube, dass alles im Leben von Entscheidungen abhängt. Wir können uns entweder entscheiden, den Worten des Todes und der Krankheit über unserem Leben Gehör zu schenken, oder wir können uns entscheiden, über sie hinauszuwachsen. Der Kummer oder Schmerz, den du fühlst, ist real, aber es gibt etwas, das stärker, mächtiger, allumfassender ist als jeder Verlust, jede Krise und jedes Trauma, das wir durchleben: die Liebe Gottes durch die Kraft seines Sohnes, Jesus Christus.

„Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch ir­gendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgend­ etwas können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt.“ Römer 8,38–39

Wie schwer der Weg auch sein mag – nichts kann dich trennen von der Liebe Gottes.

VORSCHAU

00 NK-3826_editnina2_cutMontag: Exklusives Interview zum Buch mit Freimut und Joanna Haverkamp, Lead Pastoren von Hillsong Church Germany

 

Quelle: Auszug Seite 104 – 107. Mit freundlicher Erlaubnis von Gerth Medien. Zwischenüberschriften für den Post: DER LEITERBLOG

817091_Houston_Leben_lieben_leiten_2.inddBrian Houston
Leben. Lieben. Leiten.
Gerth Medien
320 Seiten, 16,99 € | 13,99 € eBook

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