Mark Schröder: Berufung entfesseln

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Vor fünf Jahren wurde mir in einer Gebetszeit in der Gemeinde ein prophetisches Wort zugesprochen. „Mark, du wirst durch große Veränderungen gehen.“ Erstmal konnte ich damit nichts anfangen. Was dann allerdings in den nächsten Monaten geschah, war tatsächlich etwas Großes.

Schon oft hatte ich davon geträumt, dass meine Berufung weitergehen wird also das, was ich bislang erlebte. In der Gemeinde mit 65 Mitglieder, wo ich bis dahin 9 Jahre Dienst tat, fühlte ich mich sehr wohl. Die Arbeit wuchs manches Mal und schrumpfte immer, wenn die Studienanfänger das Nest verliessen. Wenn ich auf Konferenzen, in Büchern oder auch im Internet von großen Gemeinden hörte, dann machte das etwas mit mir. Ehrlich gesagt: Ich fühlte mich meistens elend. Ich wollte doch auch Großes sehen, aber irgendwie war es nicht da. Es gab Momente, wo ich an mir zweifelte und mich fragte, ob ich vielleicht zuviel falsch mache. Bei den anderen funktioniert es doch auch?

In seinem Buch „Deutschland auf der Couch“ beschreibt der Psychologe Stephan Grünewald, wie wir Deutschen ticken. Er meint, wir haben die Mentalität zu meinen, dass das Leben anderswo wartet. Er schreibt: „Die Gefahr dabei ist, dass die Menschen den Alltag nicht im hier und jetzt annehmen, sondern ihn nur lieblos abwickeln – das Eigentliche kommt ja erst noch.“ Ich muss gestehen, dass ich mich des öfteren genauso gefühlt habe. Wenn ich erstmal ein große Gemeinde habe, dann …

Unter Beschuss

Dann passierte es! Ich wurde zum Pastor einer Gemeinde berufen, die heute 400+ Gottesdienstbesucher hat. Hatte ich es jetzt geschafft? Im Geiste sah ich meinen Namen auf den Konferenzplakaten. Doch nach einiger Zeit musste ich erschrocken feststellen, dass sich nichts geändert hatte. Ich las in den sozialen Netzwerken von den Erfolgen großer Pastoren und staunte über die Geschichten wirklich großer Gemeinden. Ich fühlte mich wieder elend. Vorher hatte ich immer gedacht, wenn ich eine große Gemeinde habe, dann hätte ich es weit gebracht. Aber dann kam ich doch wieder unter Beschuss. Ich fühlte mich wieder mickrig. Ich fühlte mich in meiner Leistung und in meinem Wert in Frage gestellt und erlag der Versuchung meinen Erfolg allein an Zahlen messen zu wollen. Das Ergebnis war Selbstmitleid. Bemerkenswert war für mich, dass Steven Furtick, einer der bekanntesten Pastoren in den USA in einem Interview mit Perry Noble darüber berichtet, dass er dieses Gefühl ebenfalls kennt.

Selbstmitleid kann ganz unterschiedliche Ausprägungen haben. Bei mir führte es zu einem Gefühl der Minderwertigkeit. Andere gehen lieber zum Angriff über und verteufeln die Erfolgreichen. „Denen geht es ja nur um Zahlen.“ „Die wollen sich einen Namen machen.“ Andere wiederum halten eine Menge frommer Ausreden parat, um sich selbst zu trösten. „Der Boden ist zu hart.“ „Gott hat einen anderen Plan für uns.“ So manches Pastorentreffen trieft vor Selbstmitleid.

Schluss damit!

Mir wurde bewusst, dass ich einer gewaltigen Lüge aufgesessen bin. Selbstmitleid raubt einem alle Kraft und der Widersacher ist daran interessiert die Pastoren und damit auch die Gemeinden zu Orten der Kraftlosigkeit zu machen. Deshalb traf ich für mich die Entscheidung: Schluss mit dem Selbstmitleid! Ich will keine frommen Ausreden. Ich will niemanden die Ehre rauben nur weil ich einen Mangel an Ehre verspüre. Ich will den Ruf Gottes auf meinem Leben nicht in Frage stellen.

Im Neuen Testament wird es im 2. Petrus 1,10 so formuliert: „Darum, Brüder, befleißigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals straucheln.“

Mit der starken Aufforderung „befleißigt euch“ (oder: beeilt euch) wird eine große Dringlichkeit erzeugt. Gott beruft, aber der Berufene ist täglich aufgefordert seine Berufung zu bestätigen, sie in Kraft zu setzen und wirksam werden zu lassen. Verstärkt wird dies noch durch den Hinweis, dass die Berufung festgemacht werden soll. Hier ist ein Wort aus der Justizsprache verwendet. Etwas soll als juristisch gültig erklärt werden. Der Berufene bestätigt durch sein Verhalten, dass die Berufung wirksam ist.

Neu ausrichten. 

Bei der Dichte dieser Aussage kam bei mir schnell die Frage auf, wie es denn um meine tägliche Antwort auf die Berufung Gottes bestellt ist. Was aus unserer Berufung wird ist entscheidend von unserer Antwort abhängig. Egal, ob wir in der Verantwortung über 40 oder 400 stehen, wir werden dem Selbstmitleid nur entkommen, wenn wir uns zu unserer Berufung stellen. Wir müssen verinnerlichen, dass unsere Berufung nicht davon bestimmt ist, was andere oder ich selbst in mir sehen. Berufung ist davon bestimmt, was Gott in mir sieht. Diese Berufung festzumachen heißt, dass wir mit dem, was Gott sieht übereinstimmen.

Für mich hatte diese Erkenntnis dazu geführt, dass ich meine Berufung von Lüge entfesseln könnte und jetzt und heute meine Berufung mit Überzeugung leben kann.

Mark Schröder Blog
Mark Schröder, verheiratet, 3 Töchter, ist Hauptpastor der Elim Leipzig. Er engagiert sich als stellvertrender Regionalleiter der BFP Region Sachsen, ist Gastdozent am Theologischen Seminar Beröa im Bereich Systematische Theologie und ist immer noch auf Entdeckungsreise in den Themenfelder Leitung und Gemeindebau.
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2 Antworten zu Mark Schröder: Berufung entfesseln

  1. Andreas Salzmann schreibt:

    Sehr gut und Ermutigender Beitrag! So ist es!

  2. Andreas Timm schreibt:

    Danke Mark. Auf dem Punkt gebracht…

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