Dieter Schneider: Ich hatte Angst ans Telefon zu gehen …

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Ein einziges Telefonat reichte aus, um mich zu Fall zu bringen – Seit mehreren Wochen steckten wir inmitten einer sehr schwierigen Projektphase und ich lief schon längere Zeit mindestens auf 150% meiner Leistungskapazität. Aber ich wollte mir keine Schwäche eingestehen, denn ich hatte als Projektleiter die Verantwortung.
Es war Freitagnachmittag als das Telefon läutete. Die Vorwürfe waren, alleine betrachtet, nicht so schlimm, aber in der Summe aller Vorkommnisse der vergangenen 6 bis 8 Wochen, war dies der winzige kleine Punkt auf dem i, der das  Fass in mir zum überlaufen brachte. Anschließend war ich für Wochen nicht mehr der Selbe. Ich konnte die Arbeit nicht zu Ende führen und es ging sogar soweit, dass ich Angst hatte ans Telefon zu gehen …

„Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?“ Johannes 6,9

Was war passiert ?

Durch ein Gefühl des Minderwerts angetrieben wollte ich es allen recht machen, unseren Kunden, etlichen Behörden, allen Lieferanten, meinem Vorgesetzten und auch meinen Mitarbeitern und Kollegen. Rückblickend musste ich feststellen, dass ich doch ernsthaft versucht hatte, mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 hungrige Mäuler zu stopfen – ich alleine!! Wie ein Tellerjongleur im Zirkus war ich krampfhaft damit beschäftigt, alle Dinge am Laufen zu halten, einen Spagat zwischen Lieferanten, Behörden, Kunden, Vorgesetzten und Mitarbeitern, immer das Gefühl im Nacken, nicht auszureichen. Blind vor Stress, hatte ich völlig vergessen, einen „Powerriegel“ einzuschieben (- analog einer gleichnamigen Predigtreihe von Lothar Krauss). Ich hatte meine Rechnung gemacht, ohne mit dem Faktor „G“ (Gott) zu multiplizieren – ich hatte nicht einmal Zeit für ein Gebet, sondern nur noch die herum eiernden Teller im Blick.

Obwohl ich seit Jahren unseren internen Führungsnachwuchs coache und es hätte besser wissen müssen, hatte ich als Leiter elementare Dinge vernachlässigt. 

Hier 7 Punkte die mir dadurch wieder bewusst geworden sind:

1. Lerne Dich realistisch einzuschätzen. 

Dein inneres Selbstbild prägt Deine Gedanken und Dein Handeln. Siehst Du dich zu groß – übernimmst Du dich in einer ungesunden Vorstellung alles zu können. Siehst Du dich zu klein – treibt Dich ein Gefühl von Minderwert in ungesunde Bahnen. Regelmäßiges ehrliches reflektieren kann hier Abhilfe schaffen – suche Dir einen Mentor der ehrlich sein darf und Dir nicht nach dem Mund redet, sondern auch unangenehme Dinge zur Sprache bringt.

2. Du kannst es nicht allen Recht machen …

Spagat ist nur etwas fürs Ballett – Alle Seiten immer positiv zu bedienen erzeugt keine klaren Entscheidungen und macht Dich auf Dauer in Deinem Team unglaubhaft. Verfolge besser einen Maßstab mit Deinem Tun, den Du verantworten kannst – vor Dir und Deinem Schöpfer.

3. Nimm Hilfe in Anspruch…

Delegieren, abgeben und loslassen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine grundlegende und tägliche Führungsaufgabe. Prüfe was muss ich unbedingt selbst machen und was kann genauso gut auch jemand anders machen. Manchmal gilt es auch schöne und liebgewonnene Aufgaben loszulassen – Aufgaben die ich liebend gerne selber machen möchte. Nur dadurch schaffe ich Platz um dann das Wichtige angehen zu können. Traue Deinen Mitarbeitern etwas zu, sie können oft mehr als man vermutet und nutze die verfügbaren Ressourcen optimal.

4. Bleibt miteinander im Gespräch …

Ist der Druck groß, bleibt das Verständnis füreinander auf der Strecke, die Gereiztheit steigt. Dein Stress erzeugt noch mehr Stress innerhalb Deines Teams. Alle sind gereizt und die Stimmung kippt sehr schnell in ein schlechtes Arbeitsklima. Unmut, erhöhter Krankenstand und überhöhte Fluktuation können die Folge sein. Offenheit und ehrliche Gespräche bauen hier falsche Interpretationen ab und erzeugen Transparenz und Verständnis.

5. Schaffe einen Ausgleich …

Du brauchst Qualitätszeiten, zum Beispiel Sport, aber auch Zeiten mit Partner, Familie, Freunden oder Zeit allein mit Dir und Deinem Schöpfer in der Stille. Das ist kein Luxus, sondern ein wichtiges und festes Fundament um für die anstehenden Aufgaben gerüstet zu sein.

6. Sei ein gutes Vorbild …

„Was nützt die beste Erziehung, wenn die Kinder mir alles nachmachen?“ – Die ganze Theorie, alles Fachwissen über Ausbildung der nächsten Generation nützt nichts, wenn das was wir vorleben nicht dazu passt! Als Leiter sind wir Vorbild, auch darin, wie wir mit uns selbst umgehen. Man muss kein Ingenieur sein um zu wissen, dass ein Verbrennungsmotor nicht dafür gemacht ist um permanent im roten Bereich zu fahren – aber wir denken, der Schöpfer hätte wohl bei uns keinen roten Bereich eingebaut!

7. Und vergiss nie – Du hast nur 5 Brote und 2 Fische …

Aber nimm das was Du hast und stell es zur Verfügung und rechne dann fest mit dem Faktor „G“  – gib Gott die Chance für ein Wunder!

RESÜMEE:

Ich bin vielleicht noch nicht perfekt mich selbst vorbildlich zu managen, aber ich fühle mich auf einem guten Weg und reflektiere mich regelmäßig. Außerdem durfte ich seitdem schon mehrfach erleben, was Gebet für ein Powerriegel ist und wie Gott wirklich aus meinen fünf Broten etwas Gutes macht – sofern ich sie ihm zur Verfügung stelle. Erst neulich wieder, als sich eine festgefahrene und in meinen Augen aussichtslose Vertragsverhandlung plötzlich und auf überraschende Weise aufgelöst hat – Danke Vater.

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Dieter Schneider, geb. 1961, verheiratet mit Katja, vier Kinder. Er arbeitet seit 2009 bei der CAMSO AG / News-Log AG in der Schweiz. Zuerst als Projektleiter und operativer Leiter für Deutschland. Heute ist er Leiter der Gesamtverwaltung in Schaffhausen, außerdem verantwortlich für die Unternehmens- und Personalentwicklung  innerhalb der Firmengruppe. Er ist Initiator eines betrieblichen Programmes zur Entwicklung und Förderung von Nachwuchs-Führungskräften. Zusätzlich aktiv als Schulungsleiter, Mentor und Coach. In der Evangelischen Freikirche „VM Esslingen“ arbeitet er als passionierter Schlagzeuger mit.

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