Exponential (3): Die Kultur gestalten!

Eine Kultur der Jüngerschaft: Der Schlüssel dynamischer Gemeinden

Je mehr eine Gemeinde den Auftrag von Matt. 28,19 umsetzt, je dynamischer wird sie. Das kann in Zweierschaften begonnen werden, aber wenn eine ganze Gemeinde davon erfasst wird, entfaltet sich erst ihr wirkliches Potential. Die Impulse von „Exponential“ kommen in Zweierschaften schon klasse zur Wirkung, entfalten aber ihr wahres Potential dann, wenn eine ganze Gemeinde so „tickt“. Dazu ist die Veränderung der Gemeindekultur oft nötig, denn im Kern haben wir kein Wissensproblem. „Exponential“ kommt ja nicht mit neuen Ideen daher, sondern erinnert an den Ursprung. Wir lernen also genaugenommen nichts NEUES, sondern werden herausgefordert BEKANNTES endlich umzusetzen. Dabei hilft eine entsprechende Kultur in der Kirche enorm. Und da stoßen wir auf das erste Hindernis! Was aber ist eine Gemeindekultur?

Was ist eigentlich eine Gemeindekultur?

Der Begriff „Kultur“ ist von cultura abgeleitet und bedeutet: „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“. Also im weitesten Sinne alles, was ein Mensch gestaltend hervorbringt. Der Begriff erinnert uns an den Auftrag, den Gott im Garten Eden den ersten Menschen gab. Kultur hat also ganz viel mit dem zu tun, was Gott dem Menschen als Auftrag mitgegeben hat. Es entspricht unserer göttlichen Bestimmung und Befähigung, Kultur hervorzubringen. Der Mensch bearbeitet aber nicht nur materielle Dinge (Acker, Technik …) sondern gestaltet geistige Gebilde wie Moral, Recht, Wirtschaft, Religion …

Gemeindekultur

Eine Gemeindekultur ist also die Summe dessen, was Menschen in der Geschichte der Gemeinde an Ideen, Projekten, Erfahrungen, Überzeugungen, Werten, Visionen, Träumen, Hoffnungen, Konflikten, Verletzungen, göttlichen Erfahrungen, Interessen von Gruppen, Familien … geteilt, erlebt, geschaffen, mit Gott entwickelt … haben. Dabei kann also eine fantastische Gemeindekultur entstanden sein, aber auch eine durchschnittliche, eine schwierige …

Prägekraft der Kultur

Diese Kultur hat eine enorme Prägekraft. Manchmal ist das kaum zu verstehen, warum das so ist. Obwohl die Leute, die Hauptdarsteller waren, gar nicht mehr da sind. Weil die Kultur einer Gemeinde so stark wirkt, richtet eine Vision häufig so wenig aus! Bewegt ein Projekt, eine Idee, eine Initiative so wenig. Bringt ein Konferenzbesuch oft nicht die gewünschte Veränderung. Eine Kultur zu verändern ist eine „Herkulesaufgabe“. Experten sagen, dass nach einer bestimmten Zeit eine grundlegende Veränderung der Gemeindekultur kaum noch möglich ist. Das ist vielleicht ein Grund, warum sich Gemeinden mit einer langen Geschichte kaum verändern lassen, oder so viele Konflikte, Schmerzen, Schwierigkeiten den Prozess begleiten. Das „kollektive Gedächtnis“, der „Speicher“, die Kultur ist zu stark!

So kann es manchmal leichter und besser sein eine neue Gemeinden zu starten. Ich habe von Orten gelesen, an denen eine Denomination ihre alte Gemeinde in Würde geschlossen hat und in einem neuen Gebäude am gleichen Ort eine Neugründung initiierte, die im Gegensatz zur angestammten Gemeinde wieder florierte.

Was können Leiter zur Gestaltung der Kultur beitragen?

1. Ein Verständnis für Kultur entwickeln

Der erste Punkt für Leiter ist auf der einen Seite sehr offensichtlich, aber auf der anderen Seite häufig nicht beachtet. Da fährt eine Führungskraft der Kirche zu einem Kongress, besucht eine florierende Gemeinde, wird durch Bücher inspiriert und will nun die eigene Gemeinde in einen Prozess der Veränderung führen. Dabei übersieht der Leitende, welche gemeindekulturellen Voraussetzungen „seine“ Gemeinde von dem Modell unterscheiden. Er beginnt eine Vision zu malen und wundert sich, dass der Widerstand wächst. Wenn die Führungskraft ihre Gemeinde nicht in eine Spaltung, Spannung, Krise … führen will, liegt ihr erster Schritt darin, ein tieferes Verständnis für die eigene Gemeindekultur zu entwickeln und den Unterschied zur gewünschten Gemeindekultur zu verstehen. Sie beginnt quasi mit „Biografiearbeit“. So wird deutlich, welcher Weg vor der Kirche liegt, die sich verändern will. Welcher Preis dafür zu bezahlen ist. Die Leiterin fragt sich: Will ich diesen Weg mit der Gemeinde gehen? Will ich mich für eine lange Zeit verpflichten? Mich den emotionalen, persönlichen, sachlichen Herausforderungen stellen? Je besser die Führungskraft die Ausgangskultur versteht und die Zielkultur vor Augen hat, je verantwortlicher begibt sie sich auf diesen Weg. Oder die Entscheidung für eine Neugründung rückt in den Fokus.

2. Die Kraft der Vision

Den Begriff der Vision gebrauche ich hier im Sinne eines Werkzeuges, nicht als Selbstzweck. Es geht hier also nicht um Vision an sich, sondern um das, was eine Vision zu leisten vermag. Auch wenn der Begriff in Deutschland etwas abgegriffen ist, ich mag ihn. Die Definition von Bill Hybels ist mir die Liebste: „Vision ist das Bild der Zukunft, das Leidenschaft freisetzt.“ Wer eine Vision von Gott geschenkt bekommt, ist begeistert. Leidenschaftlich. Brennt dafür. Und zündet andere an. Eine Vision ist ein Werkzeug, um Kultur zu formen. Einen Traum mit anderen gemeinsam zu träumen, wie Gemeinde sein könnte. Was in der Kirche geschehen sollte. Was durch sie in der Welt Gutes wachsen würde, wenn sie als Kirche „richtig funktioniert“! Leiter, die nicht von einer Vision ergriffen sind, werden wenig bewirken können. In der Frage der Gemeindekultur ganz besonders! Eine Vision zu haben und lebendig zu halten, ist eine der Kernaufgaben einer Führungskraft. Gerade bei der Neuformung eine Gemeindekultur. Aber nicht die einzige Aufgabe!

„Exponential Anwendung“: Wenn nun der Leiter eine brennende Vision für die Formung von Jüngern hat und dabei mit Überlegung und Absicht einen Prozess für Azubis aufsetzt, andere ebenfalls dafür begeistert, dann beginnt sich die Gemeinde von innen zu verändern. Das nimmt Einfluss auf die Gemeindekultur! Wenn diese Azubis selbst wieder Azubis gesund und absichtsvoll ausbilden, dann entsteht eine Dynamik. Leiter werden auf dem Weg sichtbar, sind bewährt und multiplizieren sich. Die Möglichkeiten der Gemeinde wachsen Zug um Zug und die Projekte werden zur Folge von einem „Überangebot“ an Mitarbeitern! Neues muss entstehen, weil so viele Jesusnachfolger ihre Berufung leben wollen. Diese Vision packt die Führungskraft und prägt die Gemeindekultur! Ein Traum. Vielleicht. Aber alles beginnt mit einem Traum!

Was noch kann eine Führungskraft für die Veränderung einer Gemeindekultur beitragen? Im vierten Teil gehen wir der Frage weiter nach.
 
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