Spannungsfeld: Beruf – Familie – Gemeinde

Auszeitgedanken

In meiner Auszeit beschäftige ich mich unter anderem etwas mit dem Spannungsfeld „Beruf | Familie | Gemeinde“. Immer mehr engagierte Christen finden sich in dieser Spannung wieder. Ist das normal? Unvermeidliche Entwicklungen in einer ökonomisierten Gesellschaft? Trifft das auf Christen aller gesellschaftlicher Milieus im gleichen Maße zu? Müssen sie einfach mitschwimmen oder gibt es Alternativen, die „nicht nur für Hauptamtliche umsetzbar“ sind? Das gehört zu den Fragen, die ich in dieser Zeit mit vielen erfahrenen, fähigen, begabten und bewährten Leuten diskutieren darf. Habt ihr Tipps, Hinweise, Links, Erfahrungen … Dann gerne einen Kommentar schreiben!

Innovative Gemeinden und das Spannungsfeld

Bei meinen Besuchen in innovativen und modernen Gemeinden fällt mir auf, wie viele fleißige Mitarbeiter Hand anlegen. Ohne dieses Heer von ehrenamtlichen, engagierten, fähigen und hingegebenen Leuten würden die tollen Angebote, Veranstaltungen, Fürsorge für Menschen … nicht geben. Können sie dieses Tempo halten? Ist das Tempo überhaupt gesund? Ist der Dienst für Gott und die Gemeinde eine „Götzengefahr“? Wie lange werden sie das also können? Wann wird es zuviel? Wird dort dieses Spannungsfeld auch aufbrechen? Oder ist es schon da, nur noch nicht zu sehen? Oder was ist die Realität? Dennoch: Können wir Gemeinde – ganz gleich welcher Stil – aber ohne eine solche Hingabe, solchen Fleiß, bauen? Wie war das in der Geschichte?

Wertvolle Begegnungen mit tollen Leitern …

Die Liste meiner Fragen dazu ist lang und aktuell versuche ich herauszufinden, welches die richtigen Fragen sind. Und jetzt kann ich eine gute Reihe von Gesprächen mit erfahrenen Leitern und Verantwortungsträgern national und international führen. Das ist das Privileg der Auszeit. Neben dem Urlaub 😉 So gelingt dann auch der Blick etwas hinter die Kulissen. Und es waren bisher ganz tolle Gespräche und Begegnungen in Deutschland und der Schweiz. Am Samstag beginnt dann der internationale Trip bis in die zweite Märzhälfte!

Hier schon mal ein wertvoller Tipp!

Zum Thema Spannungsfeld lese ich auch eine Menge dieser Tage. Ein Buch möchte ich mal hier schon vorab empfehlen. Es ist von Andy Stanley und heißt: When Work and Family Collide: Keeping Your Job from Cheating Your Family. Es ist voller praktischer und tiefer, hintergründiger Überlegungen zu diesem Spannungsfeld, die er gewohnt einfach, aber eben auch sehr profund rüberbringt. Seine aktuelle Predigtreihe hat sich im letzten Teil auch mit dem Thema beschäftigt. Das war schon extraklasse, was da gestern von ihm zu hören war. Nachzuhören unter Breathingroom (bezeichnender Name für das Thema!), und zwar der vierte Teil.

Über lotharkrauss

Ehemann | Vater | Pastor | Blogger | Netzwerker
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6 Antworten zu Spannungsfeld: Beruf – Familie – Gemeinde

  1. Jürgen schreibt:

    Familie – Beruf – Gemeinde: Früher Lebensumfeld, heute Spannungsfeld!
    Das Spannungsfeld Familie – Beruf- Gemeinde ist aus meiner Sicht eine unvermeidliche Entwicklung einer individualisierten Gesellschaft. Wo früher allein aufgrund fehlender Mobilität Familie, Beruf, Gemeinde an einem Ort sowohl räumlich als auch zeitlich integriert stattfand, finden heute die drei Bereiche oft an drei räumlich voneinander getrennten Orten statt. So suchen wir unseren Wohnort nach Kriterien aus, die unserer Familiensituation entsprechen, fahren zu unserem Arbeitsplatz und suchen aus der Vielfalt der Angebote die Gemeinde aus, die unsererer „geistlichen Richtung“ am ehesten zusagt und fahren dafür auch gerne ein paar Kilometer mehr vom Wohnort zum Gemeindehaus.
    Diese „Dezentralisierung“ der Lebensbereiche führt dazu, dass die Lebensbereiche nicht integriert ineinander übergehen, sondern in Konkurrenz zueinander stehen. Gerade bei engagierten Mitarbeitern besteht m.E. die Gefahr, dass die Familie in der den Kürzeren zieht.

  2. Jürgen schreibt:

    Wie lange ist der Lifecycle einer „Innovativen Gemeinde“?
    In unserer freien Marktwirtschaft unterliegen wir dem Gesetz: „In“ ist, was neu, innovativ ist – „Out“ ist die Vorgängerversion davon. Wer will schon das iPhone4, wenn es schon das iPhone5 gibt? Wer will die alte A-Klasse, wenn es schon die neue gibt? Wer will schon in eine traditionelle Gemeinde, wenn es eine innovative gibt? Neu ist Trend. Alt ist Out. Wir alle unterliegen diesem Gesetz und werden täglich damit konfrontiert. Wer flügge wird und initiativ ist, nutzt die Chance und orientiert sich neu, wer initiativ ist den zieht es in Gemeinden, in denen „was los“ ist. Wer initiativ ist wird oft zum engagierten Mitarbeiter. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das wirklich Anziehende von innovativen Gemeinden eben das Innovative ist, das jedoch irgendwann von einer neuen Innovation abgelöst wird. Die heute noch innovative Gemeinde wird morgen zu einer traditionellen, in der sich dann die weiter engagieren, die sich mit dem Stil der Gemeinde identifizieren. Irgendwann läuft die Welle aus und die engagierten Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun den einst innovativen Gemeindebetrieb am Laufen zu halten und brennen nicht selten dabei aus.
    Und die Initiativen dieser Gemeinde suchen sich – wenn sie dann flügge werden – die neueste innovative Gemeinde.
    – wie lange ist der Lifecycle eines iPhone – 1 Jahr?
    – wie lange ist der Lifecycle eines Fahrzeugs – 6-7 Jahre?
    – wie lange ist der Lifecycle einer einer innovativen Gemeinde – 10 Jahre, 20 Jahre?
    Innovation allein garantiert kein Gemeindewachstum auf Dauer. Eine innovative Gemeinde wird nicht ständig engagierte Mitarbeiter gewinnen können, deren Begeisterung durch die Innovation entfacht wurde.
    Es stellt sich eine weitere Frage:
    Was ist die „richtige“ Motivation engagierter Mitarbeiter?
    Und wie kann diesen der „richtige“ Dienst für Gott in Familie-Beruf-Gemeinde gelingen?

    • Lothar Krauss schreibt:

      Gute Fragen Jürgen! Ich hab‘ die z.T. auch schon so auf dem Zettel, bzw. ergänze weiter mit Deinem Beitrag. Der Zyklus der innovativen Gemeinde wird von manchen Leitern (Vineyard) auf ca. 15-20 Jahre geschätzt. Vielleicht reflektiert das ja ihre Erfahrung? Ob die aufstrebende Gemeindearbeit darauf eine Antwort will? Ich werde es hoffentlich etwas mehr rausfinden können …

  3. Jürgen schreibt:

    Innovation im Sinne von „Erneuerung“ brauchen, denke ich, alle Gemeinden. Es stellt sich nur die Frage wo diese Erneuerung ansetzt. Neue Technik, neue Programme, neue Organisation – das scheint mir zu kurz gesprungen.
    Im Gegensatz zum beruflichen Umfeld, wo es (in meinem Fall) um Innovationen in Produkten und Organisationen geht, um den Profit zu gewährleisten, geht es doch im Falle von Gemeinden eher um die Weiterentwicklung und Erneuerung der Menschen – Organisationen und Strukturen sind dann als Folge der sich verändernden Menschen ggf. weiterzuentwickeln.
    Also müsste man mal der Frage nachgehen, welche Erneuerung in den Köpfen und Herzen der Menschen im Kontext der individualisierten und ökonomisierten Gesellschaft nötig ist und wie diese Erneuerung durch Angebote der Gemeinde in Lehre, Seminaren etc eingeleitet und gefördert werden kann.

  4. jscharpf schreibt:

    Gedanken aufgrund persönlicher Erfahrungen:
    Mit einer Lebenserfahrung u.a. von 34 Jahren Berufserfahrung in der Automibilindustrie, davon 26 als Führungskraft, mit 34 Jahren Mitarbeitererfahrung in der Jugend- und Freizeitarbeit von Gemeinden und mit zwei jeweils ca. sechs Montage dauernden Burnouts inkl. Burnout-Syndrom (Erschöpfungsdepression) habe ich mich in den vergangenen Jahren mehr und mehr mit der Frage beschäftigt, wie ein ausgewogener Lebensstil im Spannungsfeld Familie-Beruf-Gemeinde aussehen kann und wie sich meine Motivation und auch mein Verhältnis zu Gott ändern müssen, um gesund zu bleiben.
    Dass dis gelingen kann verheißt Jesus ja selbst(Matth. 11, 29): „Nehmt auf euch mein Joch, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“.
    Ich habe gelernt, dass das, was mich eigentlich motiviert, oft nicht das ist, was gesund und in Gottes Sinn ist, sondern meine von Erziehung, Gesellschaft und Erfahrungen geprägten, teils ungesunden verinnerlichten Werte oder auch „Lebenssätze“
    So war ich lange Zeit davon überzeugt dass ich nur dann wertvoll bin wenn ich Leistung bringe. Dieser Wert beeinflusste mein Selbstbewusstsein und war oft der wirkliche Treiber von engegierter Mitarbeit in Gemeinde und Beruf.

    Daraus wuchs in den letzten Monaten zunehmend die Erkenntnis, dass ein im Sinne meines Schöpfers gesundes SELBSTBEWUSSTSEIN die Basis meines Seins ist. Die Entdeckung meiner individuellen Begabung und Berufung durch denselben Gott schafft als zweites Standbein das für einen ausgewogenen Lebensstil erforderliche SINNBEWUSSTSEIN.

    Vor zwei Tagen habe ich dazu einen Abschnitt in Martin Schleskes Buch „Der Klang“ gelesen, der dies treffend beschreibt (siehe nächster Kommentar)…

  5. jscharpf schreibt:

    EIN INSTRUMENT SEIN – VON DER SCHÖNHEIT DER BERUFUNG
    (Martin Schleske, „Der Klang“, Seite 135f)

    Das gewaltigste SELBSTBEWUSSTSEIN, in dem ein Mensch leben kann, heißt: „Ich bin geliebt“. Dem aber soll ein SINNBEWUSSTSEIN zur Seite treten. Es heißt: „Ich bin berufen“. Das sind die beiden Grundworte unseres Daseins. Sie beruhen im Tiefsten auf Gnade.
    …Das bloße Ich-Sein ist die Entscheidung, in sich selbst zu verarmen. Es ist die Entscheidung, von einer Berufung nichts wissen zu wollen. Wir spüren diese Armut und erfahren sie im Miteinander.
    Die Armut an LEBENSSINN wird zur Gier nach „LEBENSMITTELN“.
    Die Armut an GEWISSHEIT wird zur Gier nach SICHERHEIT.
    Die Armut an VOLLMACHT wird zur Gier nach MACHT.
    Die Armut an CHARISMA wird zur Gier nach KOMPETENZ.
    Die Armut an ANERKENNUNG wird zur Gier nach BEIFALL.
    …Wer es in sich nicht hat wird es draußen vergeblich suchen.
    …Wahre Spiritualität ist nicht die Erweiterung des Bewusstseins, sondern die Ausrichtung unseres Bewusstseins auf eine Berufung.
    …Wer Siritualität sucht, der muss vor allem eine Frage klären: Wem oder was soll mein Leben dienen.
    …Denn diese Welt ist um unserer Berufung willen als eine bedürftige Welt erschaffen.
    (Zitat Ende)

    Fazit:
    Es wird m. E. nur durch Klärung, Heilung und Entdeckung unseres SELBST- und SINNBEWUSSTSEINS gelingen, in dem Spannungsfeld Familie-Beruf-Gemeinde zu leben.

    Innovativ ist für mich heute eine Gemeinde, welche die ihr anvertrauten Menschen zu der Entwicklung eines gesunden SELBSTBEWUSSTSEINS und der Entwicklung eines SINNBEWUSSTSEINS durch Entdeckung ihrer individuellen Berufung motiviert, begleitet und unterstützt.

    Ich selbst beginne auf dieser Basis zu entdecken, dass das „Joch Jesu“ genau das ist, für was er mich begabt hat und für was mir Seine unerschöpfliche Kraft verheißen ist. Kraft, die genau für das reicht, wozu ich berufen bin. Nicht für mehr – aber auch nicht für weniger.
    – Zu einem ausgewogenen Lebensstil eben!

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