Eine klare Meinung vertreten …

Mit ein paar Gedankensplitter möchte ich mich von Euch treuen Lesern für 2012 verabschieden. Hierbei geht es mir heute um ein Leben mit Charakter!

Sich politisch korrekt zu verhalten, alles so zuzubereiten, dass niemand einen Anstoß hat, breite Zustimmung gefunden werden kann … ist ein Druck, unter dem Führungskräfte in einer demokratischen Gesellschaft stehen. In „Hintergrundgesprächen“ werden dann gerne die wirklichen Ansichten preisgegeben. Das kennen wir von unseren politischen Führungskräften, von den Wirtschaftslenkern aber auch vom kirchlichen Führungspersonal.

Sagen wir Führungskräfte unsere Meinung?

Christliche Leiter stehen in einer Spannung. Sie sollen „klug wie die Schlangen aber ohne Falsch wie die Tauben“ (Mt. 10,16) sich verhalten, die „Wahrheit in Liebe“ (Eph. 4,15) sagen und mit der Liebe, die Gott schenkt „der Sünden Menge“ (1. Petr. 4,8) decken. Jesus hat das perfekt umgesetzt. Wenn wir seine Biografie in den vier Evangelien studieren fällt auf, dass er klare Positionen eingenommen hat. In manchen Situationen scheint er sogar die Leute kräftig vor den Kopf zu stoßen, zu provozieren und wenig Kompromisse zu suchen. Ein Mann der klaren Worte. Das geht uns in unserer Kultur, auch der christlichen Kultur, gerade etwas verloren.

Motivlage

Sicher meint das nicht den „eigenen Kopf durchzusetzen“, „sich Luft zu machen“ oder sein „Macht zu demonstrieren“. Die Motive spielen eine entscheidende Rolle. Sie entspringen aus der Tiefe des Herzens, aus Überzeugungen die das Evangelium prägt, aus der vertrauten Beziehung zu Gott, der Liebe zu Menschen und zur Wahrheit Gottes! Unser eigenes Herz und Wesen als Leiter muss zuerst davon erfasst werden. Wir sollen Leute mit Profil sein. Die Kontur, die wir hinterlassen wollen, muss zuerst in uns selbst eingebracht werden. Wie ein Reifen sein Profil erst geprägt bekommt, bevor er den klaren Abdruck hinterlässt. Das hat etwas mit unserem Charakter zu tun, mit unserem Gepräge als Führungskräfte, mit Christus in uns! Martin Dibelius hat in seinen Gedanken zur Bergpredigt zu Recht darauf hingewiesen dass Jesus nicht dazu auffordert „… dass wir etwas tun, sondern dass wir etwas sind„.1

Christen als Führungskräfte brauchen dafür Mut, Selbstbewusstsein durch Gottesbewusstsein, Identität und Geborgenheit in Gottes Zusagen. Jesus will uns darin wachsen lassen, auch 2013. Ein anderer Begriff dafür ist Charakterentwicklung.

Zwei Beispiele zum Schluss, wo Leute mutig und klar kommunizieren. Zuerst aus der Weihnachtsbotschaft von Josef Ratzinger in der er forderte mehr „Zeit für Gott statt Ich-Bezogenheit“ zu nehmen und feststellte: „Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden.“ … Was für ein toller Gedanke: „… vollgestellt mit uns selbst!“

Auch „Kisslers Konter“ lese ich immer wieder gerne und er fordert mich heraus, auch unerwünschte Positionen freundlich, klar und sprachlich ansprechend zu formulieren, ohne dass ich jeweils die breite Zustimmung erwarte. Eigenschaften, die ich als christlicher Leiter weiter entwickeln und einüben möchte.

1 Dibelius, Martin: Die Bergpredigt (1940), in: ders.: Botschaft und Geschichte. Gesammelte Aufsätze. I: Zur Evangelienforschung, hg. v. Günther Bornkamm, Tübingen: Mohr, 1953, 170.

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