Grundkurs Leitung | Lektion 2: Was ist eigentlich Leitung?

Was ist eigentlich Leitung?

Im Sommer wurde ich gebeten einen Artikel dazu zu schreiben. Hier ein Auszug, weil er uns eine Übersicht zu dem Thema gibt. Hier der Link zum ganzen Artikel. Am Ende des Beitrages gibt es wieder die Möglichkeit, ein Arbeitsblatt zum Thema zu laden.

„Vollmächtiges Führen bedeutet Einfluss haben“ sagt J. Oswald Sanders in seinem Klassiker „Geistliche Leiterschaft“„Ein Mensch kann andere nur so weit führen, wie er sie beeinflussen kann“ schreibt er weiter. Viele Autoren, Forscher und Führungskräfte schließen sich dieser Sicht an. „Führung bedeutet Einfluss – nicht mehr und nicht weniger“, sagt John Maxwell. Ob jemand das Grundpotenzial zum Leiten hat zeigt sich darin, ob er Einfluss hat. „Wer meint, zu leiten, aber keinen hat, der ihm folgt, geht nur spazieren“, gibt Maxwell zu bedenken. Es muss kein Einfluss mit großer Reichweite sein. Jemand, der ein guter Kleingruppenleiter ist, kann allerdings mit der Leitung eines Bereiches oder einer Gemeinde überfordert sein. Wir sollten das ehrlich reflektieren, um ernsthafte Probleme zu vermeiden!

Mit dem Stichwort „Einfluss“ ist auch noch nicht geklärt, ob es ein guter oder schlechter Einfluss ist! „Unglücklicherweise ist Charakter nicht erforderlich für effektive Führung!“ schreibt Steve Scaccone in seinem sehr lesenswerten Buch „Protégé: Developing Your Next Generation of Church Leaders“.

Dass jemand Einfluss hat sollte uns nicht genügen, um ihn zum Leiter zu machen. Wir müssen uns  auch fragen ob die Person charakterlich geeignet und bewährt ist. Ob andere eine Vollmacht bei ihm erleben und ob sich eine Berufung für diese Leitungsaufgabe andeutet.

Im Laufe der letzten 30 Jahre sind mir sechs Voraussetzungen wertvoll und wichtig geworden. Die Arbeiten von Bill Hybels haben mir geholfen, meine Beobachtungen in Worte zu fassen.

Leiter: Unverzichtbare Voraussetzungen

1. Einfluss

Zuerst schaue ich danach, ob jemand Einfluss ausübt. Das haben wir ja gerade besprochen. Dann geht mein Blick zum:

2. Charakter

Die wichtigste, aber nicht einzige Voraussetzung einer gesunden Leiterpersönlichkeit! D.L. Moody, der große Evangelist des 19. Jahrhunderts hat Charakter so definiert: „Charakter ist, was ein Mensch im Dunkeln ist.“ Wer ist der Leiter, wenn ihn niemand sieht? Was sind die „Gedanken seines Herzens“? Welche Gefühle brodeln in seinem Innersten? Ich liebe dieses Zitat von Dave Kraft, einem langjährigen Leiter der Navigatoren: „Weil Leitung eine Reflexion dessen ist, wer du bist, leitest du von innen heraus“. Das ist der ausschlaggebende Punkt. Am Ende entscheidet nicht das Niveau der Leiterfähigkeit, nicht das Wissen um Führungstechniken oder wie gut jemand mit Menschen vernetzt ist, so wichtig diese Fähigkeiten auch sind. Am Ende entscheidet über die Qualität als Leiter, wer die Person wirklich ist. Galater 2,20 setzt den Maßstab: Kommt Christus zum Vorschein? Sein Wesen, seine Art, seine Gesinnung? Nur ein christuszentrierter Leiter ist ein guter geistlicher Leiter. Der soll Einfluss bekommen, Einfluss haben. Solche Leiter sind ein Segen für jede Ortsgemeinde, jeden Hauskreis, jede Jugendarbeit … Mein nächster Blick geht zur:

3. Sozialkompetenz

Wie geht jemand mit anderen Menschen um? Etwa 80% der Beratungsthemen, auf die unser Team in meiner Zeit als Leiter der Gemeindeberatung des BFP stieß, hatten mit Leitern zu tun. Offene oder verdeckte Konflikte. Meist sehr menschliche Themen, geistlich verpackt. Wie viel Not entsteht in Gemeinden, wenn Leute, die Einfluss haben, nicht gut mit Menschen umgehen. Eine weitere Eigenschaft, die ich suche, ist der:

4. Antrieb

Richard Krüger, einer meiner Dozenten am Theologischen Seminar zitierte am oft Spurgeon: „Ein Hund, der zur Jagd getragen werden muss, ist für die Jagd nicht geeignet.“ Darum geht es bei diesem Punkt: Lebt der Leiter von anderen Leuten oder hat er selbst den Antrieb, die Energie, die Leidenschaft, die Ausdauer …, seiner Berufung dienend nachzugehen? Gibt er auf, wenn andere nicht mitziehen? Bleibt er dran, wenn andere aufgeben? Und dann ist mir:

5. Weisheit

Weisheit als weiteres Kriterium im Sinn. Intellekt ist kein Hindernis für Leiter! Lebenserfahrung kein Nachteil. Der Verstand muss erneuert werden, nicht abgeschafft. Der Anspruch der Leitungsaufgabe sollte in einem guten Verhältnis zu den intellektuellen Fähigkeiten des Leiters stehen. Und schließlich der letzte Begriff der unvollständigen Liste:

6. Bewährung

Hat sich die Person im Test des (Gemeinde-)Lebens bewährt? Oder nur gute Sonntagsreden gehalten, bestehende Zustände kritisiert und schillernde Bilder der Zukunft gemalt? Wie oft geben wir Menschen verantwortliche Rollen, bevor wir ihre Bewährung gesehen haben, nur weil der Mangel so groß ist! Ein bewährter Diener soll eingesetzt werden, sagt die Schrift. (1. Timotheus 3,10)

Solche Führungskräfte brauchen unsere Gemeinden, Organisationen, Firmen und Behörden. Unsere Jugendgruppen, Ranger Stämme und Musikteams. Eine Kultur zur weiteren Entwicklung von Leitern in unserem Umfeld ist oft dringend nötig. Dazu brauchen wir mehr als einen Klassenraum. Mehr als nur angelesenes Wissen. Denn Leiten lernt man durch leiten. In Begleitung und mit Ermutigung von Coaches, Vorbildern, bewährten Leitern. Oder, wie die Amerikaner sagen: „It takes a leader to make a leader.“. Leiter werden durch Leiter geformt. Wie wahr!

Hier kann das Arbeitsblatt zum ersten Punkt (Einfluss) geladen werden.

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